Die Soldatenbraut
Ach, wenn′s nur der König auch wüßt′,
Wie wacker mein Schätzelein ist!
Für den König da ließ′ er sein Blut,
Für mich aber ebensogut.
Mein Schatz hat kein Band und Kein′ Stern,
Kein Kreuz, wie die vornehmen herrn;
Mein Schatz wird auch kein General, –
Hätt′ er nur seinen Abschied einmal!
Es scheinen drei Sterne so hell
Dort übern Marien-Kapell:
Da knüpft uns ein rosenrot Band,
Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Die Soldatenbraut“ von Eduard Mörike zeichnet ein liebevolles, wenn auch melancholisches Bild der Zuneigung einer Frau zu ihrem Soldaten. Die ersten beiden Strophen betonen die Bewunderung und Zuneigung der Frau für ihren Geliebten, unabhängig von militärischen Auszeichnungen oder sozialem Status. Sie preist seine Tapferkeit und betont, dass er sowohl für den König als auch für sie bereit wäre, sein Leben zu riskieren. Dabei hebt sie hervor, dass die Wertschätzung ihres Schatzes nicht von militärischen Ehren oder Titeln abhängt, sondern von seiner Hingabe und seinem Charakter.
Die zweite Strophe enthält einen Hauch von Wehmut und Sehnsucht. Die Frau wünscht sich, dass ihr Geliebter seinen Abschied erhält. Dies deutet auf die Belastungen des Krieges und die Trennung hin, die sie beide erfahren. Die Abwesenheit von militärischen Ehren und Auszeichnungen wird im Vergleich zu „vornehmen Herren“ betont, wodurch die wahre Wertigkeit des Mannes, die in seinen Taten und seiner Liebe liegt, unterstrichen wird. Das Fehlen von Titeln und Auszeichnungen verstärkt die Intimität und die tiefe emotionale Bindung der beiden.
Die dritte Strophe, welche einen hoffnungsvollen Ton anschlägt, greift eine idyllische Szene auf. Die „drei Sterne“ über der Marien-Kapelle werden als Zeichen des Himmels interpretiert und dienen als Kulisse für eine romantische Zeremonie. Das „rosenrote Band“ symbolisiert die Verbindung und das Versprechen der Ehe, während das „Hauskreuz“ auf eine bevorstehende kirchliche Trauung hindeutet. Die Frau sehnt sich nach einer festen Bindung und einem sicheren Zuhause mit ihrem Geliebten, weg von den Schrecken des Krieges.
Mörike nutzt in diesem Gedicht eine schlichte, klare Sprache, die die unmittelbare Gefühlswelt der Frau widerspiegelt. Das Gedicht ist frei von übertriebener Sentimentalität, wodurch die Echtheit der Gefühle der Protagonistin umso deutlicher hervortritt. Es ist ein Lied auf die einfache, aber tiefe Liebe, die allen Widrigkeiten zum Trotz bestehen kann und die Sehnsucht nach Frieden und einem gemeinsamen Leben in den Vordergrund stellt. Die „Soldatenbraut“ ist ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit der Liebe und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.