Freund! dein heiterer Blick und deine gelassene MieneHeißt uns die Klage des Abschieds sparen; doch tief in der Brust dirSelber bewegt sich das männliche Herz. Wer möcht es ihm wehren?Denn du verlässest das Haus, das dir wie dein eigenes lieb war,Dem du die Blüte der Jahre geweiht im redlichen Tagwerk.Aber glücklich genug, der still sich dessen bewußt ist!Siehe, die Zeit kommt auch, da wir weggehn nacheinander,Ungern jeder fürwahr, doch keiner mit besserem Ruhme,Noch von treueren Wünschen der dankbaren Liebe begleitet.
An Eduard Weigelin
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „An Eduard Weigelin“ von Eduard Mörike ist eine feinfühlige Ansprache an einen Freund, der sich von einem ihm ans Herz gewachsenen Ort verabschiedet. Die ersten Zeilen spiegeln einen scheinbaren Widerspruch wider: Während Weigelins fröhlicher Blick und gelassene Haltung den Abschiedsschmerz zu mildern scheinen, erahnt der Dichter doch die tiefe Bewegung in dessen Herzen. Dies deutet auf eine innere Zerrissenheit hin, die mit dem Abschied einhergeht, und auf eine Ehrlichkeit im Umgang mit Emotionen, die Mörike anspricht.
Die zweite Hälfte des Gedichts wendet sich einer allgemeinen Reflexion über das Leben und den Abschied zu. Das „Haus“, das Weigelin verlässt, symbolisiert eine vertraute Umgebung, eine Lebensphase oder eine geliebte Tätigkeit, der er seine „Blüte der Jahre“ gewidmet hat. Der Dichter betont, wie wichtig es ist, sich bewusst zu sein, was man zurücklässt, und die darin enthaltene Leistung zu würdigen. Dies weist auf eine tiefe Wertschätzung für das, was war, und auf die Anerkennung des Verlustes als Teil des Lebens hin.
Die letzten Verse wenden sich der universellen Erfahrung des Abschieds zu, in dem die Natur des Menschen widergespiegelt wird. Die Aussage „Siehe, die Zeit kommt auch, da wir weggehn nacheinander“ verweist auf die Endlichkeit des Lebens. Mörike unterstreicht, dass wir alle irgendwann Abschied nehmen, und zwar widerwillig. Doch er tröstet damit, dass kein Abschied weniger Ruhm oder weniger Dankbarkeit verdient, wenn er von treuen Wünschen der dankbaren Liebe begleitet ist. Hier wird die Bedeutung von Liebe und Anerkennung im Angesicht des Abschieds hervorgehoben.
Insgesamt ist das Gedicht eine Betrachtung des Abschieds, die sowohl die individuellen Gefühle als auch die universellen Aspekte dieses menschlichen Erlebens berücksichtigt. Es ist ein Aufruf, mit Gelassenheit und Bewusstsein Abschiede anzunehmen und gleichzeitig die Bedeutung von Liebe und Dankbarkeit im Leben zu würdigen. Die Sprache ist klar und persönlich, mit einer schlichten Direktheit, die Mörikes Wertschätzung für seinen Freund und die menschliche Erfahrung zum Ausdruck bringt.
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