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An den Vater meines Patchens

Von

Der Knabe, der zehn Jahre später dir ein FreundUnd lange Zeit ein täglicher Genosse war,Daheim noch lebt’ er in des lieben Vaters Haus,Mit blühenden Geschwistern selbst ein blühender:Sieh, diesen Säbel zur HusarenuniformTrug er durch Hof und Garten und Alleen der Stadt.Das schöne Kleid (du sahst wohl noch ein Stück davon,Scharlachen, fein, mit Silberschnörkelwerk besetzt),Ist längst dahin samt alle seinem Zubehör,Bis auf dies Eisen, dem getreu die Scheide blieb.Wem laß ich nun die Waffe? Billig spart ich sieDem eignen Sohn; er bleibt nur gar zu lange aus!Am Ende, fürcht ich ernstlich, kommt er nimmermehr;Sah ich doch selbst die Mutter bis zur Stunde nicht!Kurzum denn, Alter, deinem Erstgeborenen,Dem deine Bruderliebe meinen Namen lieh,Häng ich den Säbel, bis er ihn gebrauchen kann,Am Nagel übers Bettchen, ihm zu Häupten, auf,Unblutig Spielzeug, das von schöner Jugend weißUnd deinem Knaben keine bösen Träume schafft.

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Gedicht: An den Vater meines Patchens von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An den Vater meines Patchens“ von Eduard Mörike ist eine liebevolle und wehmütige Reflexion über die Vergänglichkeit der Jugend und die Erinnerungen an einen Freund, der bereits verstorben ist. Der Dichter spricht hier den Vater des Kindes an, welches sein Patenkind war, und adressiert seine Gedanken direkt an ihn. Die Verse zeichnen ein Bild des jungen Mannes in seinen Kindheitstagen, bevor der Tod ihn aus dem Leben riss.

Die zentrale Metapher des Gedichts ist der Säbel, der als Symbol für die kindliche Unbeschwertheit und das Spiel mit Kriegeridealen dient. Der Säbel, einst Teil einer Husarenuniform, wird vom Dichter nun an den eigenen Sohn weitergegeben, da der „Freund“ bereits verstorben ist. Durch das Überreichen des Spielzeugs an den Sohn wird die Erinnerung an den verstorbenen Freund aufrechterhalten und eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart hergestellt. Der Säbel wird als ein „unblutig Spielzeug“ bezeichnet, was die Unschuld und das Unbeschwerte des Kindes betont, dem er nun zukommt.

Die Sprache Mörikes ist geprägt von einer melancholischen Schönheit. Die detailreichen Beschreibungen, wie die des „schönen Kleids“ mit „Silberschnörkelwerk“, lassen die vergangene Jugend des Freundes lebendig werden. Der Wechsel von der Beschreibung des Kindes in seiner Blütezeit hin zur Feststellung des Todes unterstreicht die Tragik und die Vergänglichkeit des Lebens. Der Dichter drückt seine Trauer über den Verlust aus, indem er bekennt, dass er „am Ende, fürcht ich ernstlich, kommt er nimmermehr“.

Das Gedicht ist auch ein Akt der Erinnerungspflege. Indem Mörike den Säbel an den Sohn übergibt, bewahrt er die Erinnerung an den Freund für die nächste Generation. Er hofft, dass der Säbel dem Knaben keine „bösen Träume schafft“, sondern ihn an die Freude und Unbeschwertheit der Kindheit erinnert. Die liebevolle Geste des Dichters zeugt von tiefer Freundschaft und der Sehnsucht, die Vergangenheit am Leben zu erhalten.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.