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An Clara

Von

Da dein Bruder
Das Ruder
Des Hauswesens fuehrt
Und kein Narr ist,
Sondern Pfarr’ ist,
Der ganz Sulzbach regiert,
Der zwar, genoetigt,
Auf Predigt
Und manches verzicht’t,
Auch im Kranze
Keine Lanze
Fuer Steudel mehr bricht;
Da man ihn ferner
Trotz Justin Kerner
Als Dichter begruesst,
Und, obgleich Dichter,
Er doch die Lichter
Fuer die Haushaltung giesst;
Da er dir endlich
Unendlich
Viel Gutes erweist,
Wie er noch gestern
Seine Schwestern
Mit Zimtstern gespeist:
So sollt ich schliessen
Aus allem diesen –
Doch ists gescheiter,
Ich sag nicht weiter
Und mach’ ohne Zirkel
Einen schoenen .

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Gedicht: An Clara von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An Clara“ von Eduard Mörike ist ein humorvolles und leicht ironisches Stück, das sich auf die Beziehung des Dichters zu Clara, wahrscheinlich einer Freundin oder Bekannten, und ihrem Bruder bezieht. Das Gedicht ist geprägt von einer spielerischen Sprache und einem subtilen Humor, der sich durch die gesamte Struktur zieht. Mörike beginnt mit einer Auflistung der Vorzüge des Bruders von Clara, der im Wesentlichen die Pflichten eines Pfarrers erfüllt und die Gemeinde Sulzbach leitet.

Die Aufzählung der Eigenschaften des Bruders ist jedoch mit einem leicht ironischen Unterton versehen. Er wird als jemand beschrieben, der „genoetigt, auf Predigt und manches verzicht’t“, was andeutet, dass er nicht immer ganz freiwillig seine Aufgaben erfüllt. Die Erwähnung, dass er „im Kranze / Keine Lanze / Fuer Steudel mehr bricht“ deutet auf eine gewisse Distanzierung von früheren Freundschaften oder literarischen Interessen hin. Selbst wenn er als Dichter anerkannt wird, konzentriert er sich auf die „Haushaltung“, was einen Kontrast zwischen seinen geistigen und praktischen Interessen aufbaut.

Der Höhepunkt des Gedichts liegt in der überraschenden Schlusszeile: „So sollt ich schliessen / Aus allem diesen – / Doch ists gescheiter, / Ich sag nicht weiter / Und mach’ ohne Zirkel / Einen schoenen .“. Hier bricht Mörike seine potenzielle Schlussfolgerung ab und ersetzt sie durch eine Andeutung und ein vielsagendes „. „. Diese unerwartete Wendung macht das Gedicht zu einem humorvollen Spiel mit Erwartungen. Der Dichter weicht geschickt einer direkten Aussage aus, die möglicherweise zu persönlich oder aufschlussreich wäre. Die elliptische Natur des Endes verstärkt den spielerischen Charakter und lädt den Leser ein, über das, was unausgesprochen bleibt, nachzudenken.

Insgesamt ist „An Clara“ ein charmantes Beispiel für Mörikes Fähigkeit, Alltagssituationen in poetische Form zu bringen. Das Gedicht ist ein liebevolles Porträt der Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft, wobei die Ironie und der Witz die tieferen menschlichen Nuancen und die subtilen Beobachtungen des Dichters widerspiegeln. Die Andeutungen und das unvollendete Ende lassen Raum für Interpretation und unterstreichen die spielerische Natur des Gedichts, das sich über die Welt der Pfarrers, der Dichter und der Haushaltungen amüsiert.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.