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Vergib mir

Von

Vergib mir.
Ich tat,
Was Gott allein zu tun geziemt:
Nahm deine Hand für meine Hand,
Dein Herz für meines.
Mich verwirrte
Die schöne Nacht,
Der goldne Stern im Strauch
Und dann: der namenlose Duft der Linde.
Verzeih.

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Gedicht: Vergib mir von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Vergib mir“ von Klabund ist eine kurze, intensive Bitte um Vergebung, die von einem Akt der Übernahme und der Verwirrung durch die Schönheit der Welt geprägt ist. Die zentrale Botschaft des Gedichts kreist um die Verletzung einer Grenze, die das lyrische Ich begangen hat. Es nimmt sich etwas an, was ihm nicht zusteht, und bittet nun um Verzeihung für diese Anmaßung.

Der erste Vers, „Vergib mir.“, ist ein direkter Appell an eine ungenannte Instanz. Die knappe Formulierung, gefolgt von der Erklärung des Vergehens, deutet auf eine schwere Schuld hin. Das lyrische Ich hat etwas getan, was eigentlich Gott vorbehalten ist: Es hat die Hand und das Herz des anderen für sich beansprucht. Diese Formulierung ist von hoher Symbolkraft und verweist auf die Intimität und Einzigartigkeit der Beziehung, die durch die Übernahme gestört wurde.

Die folgenden Zeilen beschreiben die Umstände, die zu dieser Tat geführt haben. Das lyrische Ich war durch die „schöne Nacht“, den „goldnen Stern im Strauch“ und den „namenlosen Duft der Linde“ verwirrt. Diese Aufzählung von Naturbildern suggeriert eine Sinnlichkeit und ein Gefühl des Rausches, das die Sinne des Ichs überwältigt und seine Urteilskraft trübt hat. Die Schönheit der Welt wird hier zur Ursache des Fehlverhaltens. Die Elemente der Natur wirken wie ein Aphrodisiakum, welches die Selbstkontrolle des Ichs aufhebt.

Der letzte Vers, „Verzeih.“, ist eine Wiederholung der Bitte um Vergebung, die die Dringlichkeit und das Bedauern des lyrischen Ichs unterstreicht. Das Gedicht endet mit einer Mischung aus Schuldbekenntnis und dem Versuch, das eigene Verhalten zu rechtfertigen, indem auf äußere Einflüsse verwiesen wird. Es ist ein Eingeständnis der eigenen Schwäche und eine Suche nach Vergebung für eine Tat, die durch die Schönheit der Welt ausgelöst wurde.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.