Heimweh (1)
Wer in die Fremde will wandern,
Der muß mit der Liebsten gehn,
Es jubeln und lassen die andern
Den Fremden alleine stehn.
Was wisset ihr, dunkele Wipfel,
Von der alten, schönen Zeit?
Ach, die Heimat hinter den Gipfeln,
Wie liegt sie von hier so weit!
Am liebsten betracht ich die Sterne,
Die schienen, wie ich ging zu ihr,
Die Nachtigall hör ich so gerne,
Sie sang vor der Liebsten Tür.
Der Morgen, das ist meine Freude!
Da steig ich in stiller Stund
Auf den höchsten Berg in die Weite,
Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Heimweh (1)“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Reflexion über die Sehnsucht nach der Heimat, die durch die Erfahrung des Unterwegsseins in der Fremde verstärkt wird. Es ist ein romantisches Gedicht, das die Verbundenheit des lyrischen Ichs mit seiner Heimat, seiner Geliebten und der Natur zum Ausdruck bringt. Die Sehnsucht wird durch die Kontrastierung der eigenen Gefühle und Erfahrungen mit der Perspektive derer, die nicht wandern, verdeutlicht.
Der erste Vers etabliert die zentrale Thematik: „Wer in die Fremde will wandern, / Der muß mit der Liebsten gehn“. Die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Heimat wird durch die Abwesenheit der Geliebten in der Fremde noch verstärkt. Diejenigen, die nicht mit der Geliebten wandern, bleiben „alleine stehn“, während die anderen jubeln, was die Isolation und das Heimweh des lyrischen Ichs noch mehr betont. Die Frage an die „dunkelen Wipfel“ des zweiten Verses unterstreicht die Distanz zur Heimat und die Verlorenheit des lyrischen Ichs in der Fremde.
Die folgenden Strophen beschreiben die Sehnsucht nach spezifischen Aspekten der Heimat: den Sternen, die das lyrische Ich mit seiner Geliebten verbindet, und der Nachtigall, die vor ihrer Tür sang. Diese persönlichen Erinnerungen verstärken das Gefühl der Verlorenheit und der Sehnsucht nach dem Vertrauten. Die Natur wird als Medium der Erinnerung und Sehnsucht eingesetzt. Der Morgen, als Moment der Hoffnung und des Aufbruchs, wird herbeigesehnt.
Im letzten Vers drückt das lyrische Ich seine Liebe zur Heimat direkt aus: „Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!“ Dieser Gruß, der von einem Berggipfel aus in die Weite gerufen wird, ist ein Bekenntnis zur Heimat, ein Ausdruck tiefer Verbundenheit. Es ist ein sehnsuchtsvolles Bekenntnis zum Vaterland. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Sehnsucht, das durch die Verbindung von Natur, Liebe und Heimatgefühl erzeugt wird. Eichendorffs Gedicht ist ein subtiles Spiel mit der Melancholie, das die Schönheit des Heimwehs in den Vordergrund rückt.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.