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Glückliche Fahrt

Von

Wünsche sich mit Wünschen schlagen,
Und die Gier wird nie gestillt.
Wer ist in dem wüsten Jagen
Da der Jäger, wer das Wild?
Selig, wer es fromm mag wagen,
Durch das Treiben dumpf und wild
In der festen Brust zu tragen
Heilger Schönheit hohes Bild!

Sieh, da brechen tausend Quellen
Durch die felsenharte Welt,
Und zum Strome wird ihr Schwellen,
Der melodisch steigt und fällt.
Ringsum sich die Fernen hellen,
Gottes Hauch die Segel schwellt –
Rettend spülen dich die Wellen
In des Herzens stille Welt.

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Gedicht: Glückliche Fahrt von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Glückliche Fahrt“ von Joseph von Eichendorff thematisiert die innere Freiheit und das Glück, das durch das Überwinden von weltlichen Begierden und dem Finden von innerer Schönheit erreicht werden kann. Es kontrastiert das rastlose Streben nach Wünschen mit der Ruhe und Erfüllung, die in der Hinwendung zu einem höheren Ideal gefunden wird. Der Dichter zeichnet ein Bild der Selbstbefreiung und der Suche nach einem spirituellen Ankerpunkt inmitten der Unruhe des Lebens.

Im ersten Teil des Gedichts wird die Sinnlosigkeit des rastlosen Strebens nach Wünschen und die Unerfüllbarkeit der Gier aufgezeigt. Die Metapher vom Jäger und dem Wild verdeutlicht das ewige Kreisen im Hamsterrad, bei dem die Unterscheidung zwischen Jäger und Gejagtem verschwimmt. Wer sich in diesem Strudel befindet, findet keine Befriedigung. Das Gedicht setzt dem eine Vision von innerer Stärke und dem Festhalten an einem „Heiligen Schönheit hohes Bild“ entgegen. Diese innere Schönheit, die in der „festen Brust“ getragen wird, ist der Schlüssel zum Glück.

Der zweite Teil des Gedichts weitet den Blick und malt ein Bild der Befreiung und des Aufbruchs. Die „tausend Quellen“, die durch die Welt brechen, symbolisieren neue Möglichkeiten und das Aufkeimen neuer Hoffnung. Der Fluss, der aus diesen Quellen entsteht, steht für den Lebensweg, der sich melodisch, also harmonisch und frei von der Zwänge des äußeren Strebens, seinen Weg bahnt. Die „Fernen hellen“ und „Gottes Hauch“, der die Segel schwellt, deuten auf eine göttliche Führung und eine Atmosphäre der Geborgenheit hin.

Abschließend findet der Suchende in der „stillen Welt“ des Herzens seinen Zufluchtsort und sein Glück. Die „rettenden Wellen“ spülen ihn hinein, was für eine sanfte und befreiende Erfahrung steht. Eichendorff zeichnet ein Bild der inneren Einkehr und der Akzeptanz. Die „glückliche Fahrt“ ist somit keine Reise im äußeren Sinne, sondern eine innere, eine Reise zur Selbstfindung und zum Frieden. Der Dichter bekräftigt die Überzeugung, dass wahres Glück nicht in äußerlichen Dingen, sondern in der inneren Schönheit und in der Nähe zu etwas Göttlichem liegt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.