Frühe
Im Osten grauts, der Nebel fällt,
Wer weiß, wie bald sichs rühret!
Doch schwer im Schlaf noch ruht die Welt,
Von allem nichts verspüret.
Nur eine frühe Lerche steigt,
Es hat ihr was geträumet
Vom Lichte, wenn noch alles schweigt,
Das kaum die Höhen säumet.
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Frühe“ von Joseph von Eichendorff beschreibt in einfacher, bildhafter Sprache den Moment des Morgengrauens und die beginnende Erweckung der Natur. Der Autor fängt die Atmosphäre der Stille und des Übergangs von Nacht zu Tag ein, wobei er den Fokus auf die Wahrnehmung des noch schlafenden, unberührten Zustands der Welt legt.
Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung des Morgengrauens und des fallenden Nebels, was eine trübe und noch nicht ganz erhellte Szenerie erzeugt. Die Formulierung „Wer weiß, wie bald sichs rühret!“ deutet eine Ahnung des kommenden Erwachens an, das jedoch noch zurückgestellt wird, da die Welt „schwer im Schlaf noch ruht“. Diese Metapher verstärkt den Eindruck der Ruhe und Stille, bevor das Leben erwacht.
Die zentrale Figur des Gedichts ist die „frühe Lerche“, die als Symbol für das Erwachen und die Hoffnung fungiert. Ihr Aufstieg wird durch das Verb „steigt“ dynamisch dargestellt und kontrastiert mit der regungslosen Welt. Die Lerche träumt vom Licht, wenn „noch alles schweigt“, was auf eine tiefe Sehnsucht nach dem kommenden Tag und der Helligkeit hindeutet. Dieses Motiv unterstreicht die Vorfreude und die Verheißung, die mit dem neuen Tag verbunden sind.
Die letzten Worte „Das kaum die Höhen säumet“ deuten auf eine subtile, fast unmerkliche Veränderung hin, bei der das Licht allmählich die Höhen erreicht. Das Gedicht endet also mit einem Gefühl des Wartens und der zarten Andeutung eines Übergangs, der die Schönheit und den Zauber des Morgens hervorhebt. Es vermittelt eine Botschaft von Hoffnung und dem Versprechen eines neuen Tages, der sich langsam aber sicher ankündigt.
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.