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Die Heimat

Von

An meinen Bruder

Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?
Das Horn lockt nächtlich dort, als obs dich riefe,
Am Abgrund grast das Reh,
Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe –
O stille, wecke nicht, es war als schliefe
Da drunten ein unnennbar Weh.

Kennst du den Garten? – Wenn sich Lenz erneut,
Geht dort ein Mädchen auf den kühlen Gängen
Still durch die Einsamkeit,
Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,
Als ob die Blumen und die Bäume sängen
Rings von der alten schönen Zeit.

Ihr Wipfel und ihr Bronnen rauscht nur zu!
Wohin du auch in wilder Lust magst dringen,
Du findest nirgends Ruh,
Erreichen wird dich das geheime Singen, –
Ach, dieses Bannes zauberischen Ringen
Entfliehn wir nimmer, ich und du!

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Gedicht: Die Heimat von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Heimat“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Reflexion über die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und der Unentrinnbarkeit ihrer Erinnerung. Es wird in Form eines Briefes an den Bruder verfasst und beschreibt in zwei Strophen unterschiedliche Orte, die mit der Heimat verbunden sind: ein Schloss auf einer Anhöhe und ein Garten. Beide Schauplätze wecken sowohl vertraute als auch schmerzliche Erinnerungen.

Die erste Strophe beschreibt das Schloss und die umliegende Natur mit dem Fokus auf düstere und geheimnisvolle Elemente. Das „Horn“, das „nächtlich“ ruft, das „Reh“ am „Abgrund“ und der „Wald“ aus der „Tiefe“ erzeugen eine Atmosphäre der Unheimlichkeit und des Verborgenen. Die Zeile „O stille, wecke nicht, es war als schliefe / Da drunten ein unnennbar Weh“ deutet auf ein tiefes, unergründliches Leid hin, das in der Erinnerung an die Heimat schlummert. Die Heimat, so scheint es, ist nicht nur ein Ort der Geborgenheit, sondern auch ein Ort, der alte Wunden wieder aufreißen kann.

Die zweite Strophe wechselt zum Garten, der mit dem Frühling und der Schönheit verbunden ist. Ein „Mädchen“, das durch die „kühlen Gängen“ wandelt, symbolisiert die Erinnerung an Liebe und Jugend. Die Natur scheint hier zu singen und von „der alten schönen Zeit“ zu erzählen. Trotz dieser idyllischen Bilder wird auch hier die Vergänglichkeit und das Unvermeidliche der Erinnerung deutlich. Die Zeile „Entfliehn wir nimmer, ich und du!“ offenbart die Erkenntnis, dass die Heimat und ihre Erinnerungen uns für immer begleiten und uns in ihren Bann ziehen.

Das Gedicht zeigt, dass die Heimat nicht nur ein physischer Ort ist, sondern auch ein Zustand des Geistes, der von Sehnsucht, Verlust und der unaufhaltsamen Kraft der Erinnerung geprägt ist. Eichendorff nutzt dabei eine bildreiche Sprache und romantische Elemente, um die emotionale Tiefe dieses Themas zu vermitteln. Der Titel „Die Heimat“ wird somit zu einem vielschichtigen Begriff, der sowohl Trost als auch Schmerz in sich vereint.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.