XXXIII a. Ich wil ein reise
I
Ich wil ein reise.
wünschent, daz ich wol gevar.
dâ wirt manic weise,
diu lant wil ich brennen gar.
Mîner vrowen rîche,
swaz ich des bestrîche,
daz muoz allez werden verlorn,
sî enwende mînen zorn.
II
Helfet singen alle,
mîne vriunt, und zieht ir zuo
mit… schalle,
daz si mir genâde tuo.
Schrîet, daz mîn smerze
mîner vrowen herze
breche und in ir ôren gê.
sî tuot mir ze lange wê.
III
Vrowe, ich wil mit hulden
reden ein wênic wider dich.
daz solt dû verdulden.
zürnest dû, sô swîge aber ich.
Wiltu dîne jugende
kroenen wol mit tugende,
sô wis mir genaedic, süeziu vruht,
und troeste mich dur dîne zuht.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „XXXIII a. Ich wil ein reise“ von Heinrich von Morungen ist ein Minnesang, der sich in drei Strophen mit dem Thema der unerwiderten Liebe und dem daraus resultierenden Leid auseinandersetzt. Es ist ein Appell an die geliebte Frau, der von der Verzweiflung des Sängers geprägt ist, aber auch von der Hoffnung auf eine positive Wendung.
Die erste Strophe drückt den Wunsch des Sängers nach einer „Reise“ aus, vermutlich im übertragenen Sinne als eine Flucht vor seinem Schmerz. Er wünscht sich, dass er „wol gevar“ (gut wegkommt), droht aber gleichzeitig, das „Land“ – im übertragenen Sinne das Reich seiner Geliebten – „brennen gar“ zu wollen, wenn sie seine Liebe nicht erwidert. Der Sänger ist bereit, alles zu verlieren, wenn sie ihm ihren Zorn nicht entzieht. Diese Zeilen zeigen die Intensität seiner Gefühle, aber auch einen gewissen Trotz und eine ambivalente Haltung zwischen Zuneigung und Verzweiflung.
Die zweite Strophe wendet sich an die Freunde des Sängers und bittet sie um Hilfe. Er fordert sie auf, mit ihm zu singen und Lärm zu machen, um die Aufmerksamkeit der geliebten Frau zu erregen und sie zur Gnade zu bewegen. Er hofft, dass sein Schmerz die Frau so berührt, dass ihr Herz zerbricht und sein Flehen in ihren Ohren widerhallt. Dies verdeutlicht die tiefe Verzweiflung und das Leid, das er durch die unerwiderte Liebe erfährt. Die Verwendung des Imperativs und die direkte Ansprache der Freunde verstärken den expressiven Charakter des Gedichts.
Die dritte Strophe ist eine direkte Ansprache an die geliebte Frau. Der Sänger bittet sie, ihm gnädig zu sein und seine Worte zu dulden. Er ist bereit zu schweigen, wenn sie zürnt, aber er bittet sie um Gnade und Trost. Er appelliert an ihre Tugend und bittet sie, ihn mit ihrer „zuht“ (Züchtigkeit, Anmut) zu trösten. Diese Strophe zeigt einen Hoffnungsschimmer, dass die Frau doch noch seine Liebe erwidern könnte, indem sie ihre Jugend mit Tugend krönt. Die Zeilen verdeutlichen die Abhängigkeit des Sängers von der Zuneigung der Frau und seinen Wunsch nach einer Versöhnung.
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Lizenz und Verwendung
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